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wiki:heimatlos

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Heimatlos

Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strom, 
Von Inseln fernher, wenn er geerntet hat; 
So käm auch ich zur Heimat, hätt ich 
Güter so viele, wie Leid, geerntet.

Friedrich Hölderlin, 1770-1843: Die Heimat 

Heimatlosigkeit ist ein Oberbegriff für sehr unterschiedliche Zustände, die selbstbestimmt sein können oder zwanghaft, Bestimmung oder Schicksal, Fluch oder Streben, siehe die Liste der Heimatlosen. Heimatlos zu sein steht im ungewollten Spannungsverhältnis von 'sich entfernen von' und 'bleiben', anders als das Unterwegs-Sein im Spannungsverhältnis von 'sich fortbewegen' und 'ankommen', welches sich iterativ und gewollt wiederholt.

  • Der Vertriebene (russ. изгнанник izgnannik) wird aller Bindungen enthoben, darf sich nicht in einem bestimmten Raum aufhalten, darüber hinaus gibt es keine Einschränkungen. Für ihn gibt es jedoch kein `zurück´, er wird auch in einem neuen Raum ewig fremd bleiben.
  • Der vom Souverän Verbannte (russ. ссыльный«) hat sich von diesem zwar weitmöglichst zu entfernen, bleibt jedoch gebunden in dessen Machtbereich, muss sich also an der Peripherie aufhalten, und wird zur liminalen Figur, zum Grenzgänger.
  • Der Abgeschobene muss diesen Machtbereich verlassen, der Exilant will ihn verlassen, beide überschreiten eine Grenze.
  • Der Flüchtling ist vor etwas geflohen, das stärker war als seine Bindungen es erlaubten; er kann bei veränderten Bedingungen in seinen gewohnten Raum zurückkehren.
  • Der Suchende, Wandermönch, Pilger, Wandernde hat mit seinem Aufbruch freiwillig alle Bindungen gelöst und kann so auch im vertrauten Raum fremd werden.
  • Die dem Fahrenden Volk Zugehörigen sind nach außen bindungslos, jedoch innerhalb Ihresgleichen verbunden.

Siehe auch Reisen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ausstellungen "Translation"

Literatur

Heimat

  • Applegate, Celia Stewart
    A Nation of Provincials. The German idea of homeland in the Rhenish Pfalz, 1870-1955.
    VII, 468 S. Diss. Stanford University 1987.
  • Bastian, Andrea
    Der Heimat-Begriff. Eine begriffsgeschichtliche Untersuchung in verschiedenen Funktionsbereichen der deutschen Sprache.
    IX, 238 S. Tübingen 1995 DOI
  • Urban, Wolfgang
    Unterwegs zur Heimat oder Heimat als Imperfectum: Heimat im Denken der Moderne.
    Schwäbische Heimat 60.2 (2009) 136–143.

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