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wiki:orientierung [2025/01/23 05:45] Norbert Lüdtkewiki:orientierung [2026/03/24 20:32] (aktuell) – [Orientieren & Messen] Norbert Lüdtke
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 In den semitischen Sprachen bedeutete dasselbe Wort `Süd´ und `rechts´; im Jakutischen bedeutet //ilin// Ost und `Vorderseite´, //aryā// bedeutet West und `Rücken´, //una// bedeutet Süd und `rechts´ ((Sitzungsberichte der Finnischen Akademie der Wissenschaften 1962, S. 166)), ebenso bei den Tuareg: dat-akal 'vorne' > Osten, defter akal 'hinten' > Westen, tezalge 'links' > Norden, aghil 'rechts' > Süden  ([[https://en.wikipedia.org/wiki/Body_relative_direction|Body relative direction]]) . Die vier Hauptrichtungen (engl. cardinal directions) sind weltweit zu finden, werden jedoch oftmals ergänzt durch oben, unten und das Zentrum (die eigene Position); das indische System ordnet 10 Dikpalas den vier Hauptrichtungen, vier Nebenrichtungen, oben unten und Zentrum zu. Auf der Nordhalbkugel beginnen diese Ordnungen im Osten und schreiten im Uhrzeigersinn fort - das scheint jedoch bisher niemand systematisch vergleichend untersucht zu haben, obwohl körperbezogene Begriffe und Metaphernimmer wieder im Zusammenhang mit Raumvorstellungen und dem Weltbild erscheinen, etwa //Umbilicus mundi// 'Nabel der Welt' und //Caput mundi// 'Haupt der Welt'. In den semitischen Sprachen bedeutete dasselbe Wort `Süd´ und `rechts´; im Jakutischen bedeutet //ilin// Ost und `Vorderseite´, //aryā// bedeutet West und `Rücken´, //una// bedeutet Süd und `rechts´ ((Sitzungsberichte der Finnischen Akademie der Wissenschaften 1962, S. 166)), ebenso bei den Tuareg: dat-akal 'vorne' > Osten, defter akal 'hinten' > Westen, tezalge 'links' > Norden, aghil 'rechts' > Süden  ([[https://en.wikipedia.org/wiki/Body_relative_direction|Body relative direction]]) . Die vier Hauptrichtungen (engl. cardinal directions) sind weltweit zu finden, werden jedoch oftmals ergänzt durch oben, unten und das Zentrum (die eigene Position); das indische System ordnet 10 Dikpalas den vier Hauptrichtungen, vier Nebenrichtungen, oben unten und Zentrum zu. Auf der Nordhalbkugel beginnen diese Ordnungen im Osten und schreiten im Uhrzeigersinn fort - das scheint jedoch bisher niemand systematisch vergleichend untersucht zu haben, obwohl körperbezogene Begriffe und Metaphernimmer wieder im Zusammenhang mit Raumvorstellungen und dem Weltbild erscheinen, etwa //Umbilicus mundi// 'Nabel der Welt' und //Caput mundi// 'Haupt der Welt'.
  
-  * ''Alexander V. Podossinov''\\ //Oben und unten. Begriffe der Raumorientierung in antiken Texten.//\\ In: K. Geus, M. Rathmann (Hg.): Vermessung der Oikumene. Mapping the Oecumene. Berlin 2013: Walter de Gruyter, S. 5–23+  * ''Alexander V. Podossinov''\\ //Oben und unten. Begriffe der Raumorientierung in antiken Texten.//\\ In: K. Geus, M. Rathmann (Hg.): [[vermessung|Vermessung]] der Oikumene. Mapping the Oecumene. Berlin 2013: Walter de Gruyter, S. 5–23
   * ''Kugler, Hartmut''\\ //Himmelsrichtungen und Erdregionen auf mittelalterlichen Weltkarten.//\\ S. 175–199 in: Glauser, Jürg; Kiening, Christian (Hg.): Text-Bild-Karte. Kartographie der Vormoderne. Freiburg i. Br. 2007: Rombach   * ''Kugler, Hartmut''\\ //Himmelsrichtungen und Erdregionen auf mittelalterlichen Weltkarten.//\\ S. 175–199 in: Glauser, Jürg; Kiening, Christian (Hg.): Text-Bild-Karte. Kartographie der Vormoderne. Freiburg i. Br. 2007: Rombach
   * ''Christian Julien Robin''\\ //À propos de Ymnt et Ymn: "nord" et "sud", "droite" et "gauche", dans les inscriptions de l'Arabie antique.//\\ S. 119-140 in: F. Briquel-Chatonnet, C. Fauveaud, I. Gajda (Hg.): Entre Carthage et l'Arabie heureuse. Mélanges offerts à François Bron, Paris 2013: De Boccard. (= Orient et Méditerranée, 12)   * ''Christian Julien Robin''\\ //À propos de Ymnt et Ymn: "nord" et "sud", "droite" et "gauche", dans les inscriptions de l'Arabie antique.//\\ S. 119-140 in: F. Briquel-Chatonnet, C. Fauveaud, I. Gajda (Hg.): Entre Carthage et l'Arabie heureuse. Mélanges offerts à François Bron, Paris 2013: De Boccard. (= Orient et Méditerranée, 12)
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   * ''Christoph Winter''\\ //Kompass der Nordfriesen. Sprachliche Kodierung absoluter Orientierung am Beispiel der Himmelsrichtungen und Richtungspartikeln im Nordfriesischen.//\\ Diss. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. (=Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte, 194) 559 S. 39+52 Ill. Stuttgart 2023: Franz Steiner.   * ''Christoph Winter''\\ //Kompass der Nordfriesen. Sprachliche Kodierung absoluter Orientierung am Beispiel der Himmelsrichtungen und Richtungspartikeln im Nordfriesischen.//\\ Diss. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. (=Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte, 194) 559 S. 39+52 Ill. Stuttgart 2023: Franz Steiner.
 +  * ''Joseph Cuillandre''\\ //La droite et la gauche dans les poèmes homériques en concordance avec la doctrine pythagoricienne et avec la tradition celtique//\\ Diss. 1927. 501 S. Paris 1944: Les Belles Lettres. -- In Verbindung mit zwei Rezensionen punktuell aufschlussreich:
 +    * ''Fernand Robert''\\ //L’orientation chez Homère.//\\ Revue Archéologique, 22 (1944) 127–134. [[https://www.jstor.org/stable/41751513|Online]]
 +    *  ''Jean Audiat''\\ //Joseph Cuillandre, La droite et la gauche dans les poèmes homériques en concordance avec la doctrine pythagoricienne et avec la tradition celtique, 1944.//\\ Revue des Études Anciennes, 48.1-2 (1946) 122-125. [[https://www.persee.fr/doc/rea_0035-2004_1946_num_48_1_3341_t1_0122_0000_2|Online]] 
  
 ==== Himmelsrichtungen nach den Winden ==== ==== Himmelsrichtungen nach den Winden ====
  
-Die seefahrenden Völker im Mediterraneum entwickelten dagegen die Windrose mit insgesamt 8 (12 oder 16) Haupt- und Nebenrichtungen, die durch den Namen typischer Winde bezeichnet wurde ((siehe [[https://de.wikipedia.org/wiki/Windrose|Windrose]] in Wikipedia)). ''Karl der Große'' (747 bis 814) führte für sein ausgedehntes Reich das lateinische und das germanische System zusammen ((//Einhardi vita Caroli Magni//, 29: »tem venos duodecim propriis appellationibus insignivit; cum prius non amplius quam vix quattuor ventorum vocabula possent inveniri.\\ Ventis vero hoc modo nomina imposuit, ut Subsolanum vocaret Ostronivint, Eurum Ostsundroni, Euroaustrum Sundostroni, Austrum Sundroni, Austroafricum Sundwestroni, Africum Westsundroni, Zefyrum Westroni, Chorum Westnordroni, Circium Nordwestroni, Septemtrionem Nordroni, Aquilonem Nordostroni, Vulturnum Ostnordroni.«)):+Die seefahrenden Völker im Mediterraneum entwickelten dagegen die [[windrose|Windrose]] mit insgesamt 8 (12 oder 16) Haupt- und Nebenrichtungen, die durch den Namen typischer Winde bezeichnet wurde ((siehe [[https://de.wikipedia.org/wiki/Windrose|Windrose]] in Wikipedia)). ''Karl der Große'' (747 bis 814) führte für sein ausgedehntes Reich das lateinische und das germanische System zusammen ((//Einhardi vita Caroli Magni//, 29: »tem venos duodecim propriis appellationibus insignivit; cum prius non amplius quam vix quattuor ventorum vocabula possent inveniri.\\ Ventis vero hoc modo nomina imposuit, ut Subsolanum vocaret Ostronivint, Eurum Ostsundroni, Euroaustrum Sundostroni, Austrum Sundroni, Austroafricum Sundwestroni, Africum Westsundroni, Zefyrum Westroni, Chorum Westnordroni, Circium Nordwestroni, Septemtrionem Nordroni, Aquilonem Nordostroni, Vulturnum Ostnordroni.«)):
  
 ^ PIE ((Proto-Indo-Europäische Wurzel)) ^ ^ Heute ^Griech. ^ Latein ^ Germanisch ^ Windrose ^ Arabisch ^ Indisch ((Lokpala: Himmelsrichtung)) ^ ^ PIE ((Proto-Indo-Europäische Wurzel)) ^ ^ Heute ^Griech. ^ Latein ^ Germanisch ^ Windrose ^ Arabisch ^ Indisch ((Lokpala: Himmelsrichtung)) ^
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 | | NO | Ost-Nord | Caecias καικίας | Vulturnus | Ostnordroni|  | | | | NO | Ost-Nord | Caecias καικίας | Vulturnus | Ostnordroni|  | |
  
-  * ''Malone, K.''\\ //King Alfred's North:  Osti, Este. A Study in Medieval Geography//\\ Speculum 5 +  * ''Malone, K.''\\ //King Alfred's North:  Osti, Este. A Study in Medieval Geography//\\ Speculum 5 (1930) 139−167. [[https://doi.org/10.2307/2848364|Online]]
-(1930) 139−167. [[https://doi.org/10.2307/2848364|Online]]+
 ==== Himmelsrichtungen nach dem Stand der Sonne ==== ==== Himmelsrichtungen nach dem Stand der Sonne ====
  
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 ^ baskisch | ekialdea | mendebaldea | iparraldea | hegoaldea |  ^ baskisch | ekialdea | mendebaldea | iparraldea | hegoaldea | 
 ==== Europäische Richtungen ==== ==== Europäische Richtungen ====
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 [[wiki:europa|Europa]] hat von allen Kontinenten den größten Küstenanteil im Verhältnis zur Fläche und ist daher durch seine großen Flüsse gegliedert, die im Großen und Ganzen den Himmelsrichtungen und den [[wiki:ozeane|Meeren]] entsprechen, in die sie fließen: [[wiki:europa|Europa]] hat von allen Kontinenten den größten Küstenanteil im Verhältnis zur Fläche und ist daher durch seine großen Flüsse gegliedert, die im Großen und Ganzen den Himmelsrichtungen und den [[wiki:ozeane|Meeren]] entsprechen, in die sie fließen:
   * nach Osten fließen die Donau ins Schwarze Meer und der Po in die Adria;   * nach Osten fließen die Donau ins Schwarze Meer und der Po in die Adria;
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   * in den Norden, weil es mit dem //Nordkap// einen eindeutig nördlichsten Ort gibt;   * in den Norden, weil es mit dem //Nordkap// einen eindeutig nördlichsten Ort gibt;
   * in den Westen, weil es mit dem //Cap Finisterre// einen westlichsten Ort gibt, der auf dem Landweg zu erreichen ist, vergleichbar mit dem südwestlichsten, dem Cabo de São Vicente am Ponta de Sagres, und  Land’s End in Cornwall, dem westlichsten Punkt Englands.   * in den Westen, weil es mit dem //Cap Finisterre// einen westlichsten Ort gibt, der auf dem Landweg zu erreichen ist, vergleichbar mit dem südwestlichsten, dem Cabo de São Vicente am Ponta de Sagres, und  Land’s End in Cornwall, dem westlichsten Punkt Englands.
-  * ''Callaghan, R., Scarre, C.''\\ //Biscay and Beyond? Prehistoric Voyaging between two Finisterres.//\\ Oxford Journal of Archaeology, 36 (2017) 355–373 [[https://doi.org/10.1111/ojoa.12119|DOI]] +    * ''Callaghan, R., Scarre, C.''\\ //Biscay and Beyond? Prehistoric Voyaging between two Finisterres.//\\ Oxford Journal of Archaeology, 36 (2017) 355–373 [[https://doi.org/10.1111/ojoa.12119|DOI]] 
-  * ''P. Nymoen''\\ //Boats for Rivers and Mountains. Sources for New Narratives about River Travel?//\\ The International Journal of Nautical Archaeology 37 (2008) 3–16. +    * ''P. Nymoen''\\ //Boats for Rivers and Mountains. Sources for New Narratives about River Travel?//\\ The International Journal of Nautical Archaeology 37 (2008) 3–16. 
-  * ''Simon Schama''\\ //Der Traum von der Wildnis. Natur als Imagination//.\\ 704 S. München 1996: Kindler. [[http://bvbr.bib-bvb.de:8991/exlibris/aleph/a23_1/apache_media/QEFH8LQPP4SUVD4M7Q5DFAKHRMHEX6.pdf |Inhalt]].\\ Im Vorwort Gedanken über die Rolle von Flüssen in der europäischen [[wiki:expansion|Expansion]]+    * ''Simon Schama''\\ //Der Traum von der Wildnis. Natur als Imagination//.\\ 704 S. München 1996: Kindler. [[http://bvbr.bib-bvb.de:8991/exlibris/aleph/a23_1/apache_media/QEFH8LQPP4SUVD4M7Q5DFAKHRMHEX6.pdf |Inhalt]].\\ Im Vorwort Gedanken über die Rolle von Flüssen in der europäischen [[wiki:expansion|Expansion]].
-Dass man an den Enden der [[wiki:welt|Welt]] jedoch festen Boden verließ, Segel setzte und losfuhr in die [[wiki:leere|Leere]], dem [[wiki:horror vacui|horror vacui]] entgegen, war eher nicht absehbar. Manchmal ist eben etwas Druck nötig. ''Erik der Rote'' musste Norwegen und Island verlassen wegen seiner Morde, fuhr also dorthin, wo ihn niemand kannte.+
  
 +Die griechischen Beschreibungen der bekannten Welt beginnen im Westen, wo der Tag endet. ((dazu ausführlich: ''Hübner, Wolfgang''\\ //Mythische Geographie.//\\ S. 19-32 in: Wolfgang Hübner, Germaine Aujac (Hg.): Geographie und verwandte Wissenschaft. (=Geschichte der Mathematik und der Naturwissenschaften in der Antike, 2) 258 S. Stuttgart 2000: F. Steiner.)) Dass man an den Enden der [[wiki:welt|Welt]] jedoch festen Boden verließ, Segel setzte und losfuhr in die [[wiki:leere|Leere]], dem [[wiki:horror vacui|horror vacui]] entgegen, war eher nicht absehbar. Manchmal ist eben etwas Druck nötig. ''Erik der Rote'' musste Norwegen und Island verlassen wegen seiner Morde, fuhr also dorthin, wo ihn niemand kannte.
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 +  * ''Bernd Brunner''\\ //Die Erfindung des Nordens. Kulturgeschichte einer Himmelsrichtung.//\\ 317 S. [16] Tafeln 19 Abb., Personenregister, Bibliogr. Berlin 2019: Galiani.\\ 29 Kapitel mit Texten meist von Reisenden durch den Norden: Skandinavien, Schottland, Russland, Arktis ...
   * ''Freud, Sigmund''\\ //„Unser Herz zeigt nach dem Süden“. Reisebriefe 1895-1923.//\\ Herausgegeben von Christfried Tögel unter Mitarbeit von Michael Molnar. 422 S. Ill., Kt. Bibl. S. 399 - 408 Berlin 2002: Aufbau   * ''Freud, Sigmund''\\ //„Unser Herz zeigt nach dem Süden“. Reisebriefe 1895-1923.//\\ Herausgegeben von Christfried Tögel unter Mitarbeit von Michael Molnar. 422 S. Ill., Kt. Bibl. S. 399 - 408 Berlin 2002: Aufbau
   * ''Hormuth, Dennis'', ''Maike Schmidt''\\ //Norden und Nördlichkeit: Darstellungen vom Eigenen und Fremden.//\\ 219 S. (=Imaginatio borealis, 21) Frankfurt am Main 2010: Lang.   * ''Hormuth, Dennis'', ''Maike Schmidt''\\ //Norden und Nördlichkeit: Darstellungen vom Eigenen und Fremden.//\\ 219 S. (=Imaginatio borealis, 21) Frankfurt am Main 2010: Lang.
   * ''Dieter Richter''\\ //Der Süden. Geschichte einer Himmelsrichtung.//\\ 218 S. Literaturverz. S. 209-213 Berlin 2009: Wagenbach.   * ''Dieter Richter''\\ //Der Süden. Geschichte einer Himmelsrichtung.//\\ 218 S. Literaturverz. S. 209-213 Berlin 2009: Wagenbach.
  
-Während im Norden und Westen lange Zeit nur das [[wiki:das_ende_der_welt|das Ende der Welt]] zu finden war, wurden Süden und Osten zu Zielen der [[wiki:sehnsucht|Sehnsucht]]; wurden [[wiki:das_bild_afrikas|Afrika]] und [[wiki:Das Bild des Orients|Orient]] zu Räumen der [[wiki:phantasie|Phantasie]], wurden in der Vorstellung zu einem [[wiki:weites_land|weiten Land]] und bildeten [[wiki:weisse_flecken|weiße Flecken]] in Vorstellungen und auf [[wiki:kartographie|Landkarten]].\\ +Während im Norden und Westen lange Zeit nur das [[wiki:das_ende_der_welt|das Ende der Welt]] zu finden war, wurden Süden und Osten zu Zielen der [[wiki:sehnsucht|Sehnsucht]]; wurden [[wiki:bild_afrika|Afrika]] und [[wiki:bild_orient|Orient]] zu Räumen der [[wiki:phantasie|Phantasie]], wurden in der Vorstellung zu einem [[wiki:weites_land|weiten Land]] und bildeten [[wiki:weisse_flecken|weiße Flecken]] in Vorstellungen und auf [[wiki:kartographie|Landkarten]].\\ 
 Die ältesten T-O-Karten waren ebenso geostet wie die ältesten Kirchen und bei vielen Bestattungsformen liegen oder blicken die Bestatten gen Osten. Wer also auf der Karte Orientierung oder in der Kirche Zuversicht und Erleuchtung suchte, blickte in den Orient - //[[wiki:ex oriente lux|ex oriente lux]]// - doch dass die Sonne im Osten aufgeht, ist ein Gerücht, denn dort sieht man sie nur am 21. März und am 23. September. Die ältesten T-O-Karten waren ebenso geostet wie die ältesten Kirchen und bei vielen Bestattungsformen liegen oder blicken die Bestatten gen Osten. Wer also auf der Karte Orientierung oder in der Kirche Zuversicht und Erleuchtung suchte, blickte in den Orient - //[[wiki:ex oriente lux|ex oriente lux]]// - doch dass die Sonne im Osten aufgeht, ist ein Gerücht, denn dort sieht man sie nur am 21. März und am 23. September.
  
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 Dass Karten nicht mehr geostet wurden wurden ist der Kompassnadel zu verdanken, die sich in Nord-Süd-Richtung  ausrichtet. Daher wurden in China und im arabischen Raum die Karten gesüded, in Europa genorded. In [[wiki:europa|Europa]] nutzte man die Kompassnadel etwa ab 1200. Zum Ende des [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 12. Jahrhundert|13. Jahrhunderts]] kombinierte man die bereits lange bekannte Windrose mit dem Kompass. Dadurch wurden die Segelanweisungen nicht mehr in Textform ([[wiki:periplus|Periplus]], Portolan) sondern als Portolankarte mit Richtungsnetzen gespeichert. Die Konvention Karten zu norden, setzte sich langsam bis zum [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 17. Jahrhundert|17. Jahrhundert]] durch. Dass Karten nicht mehr geostet wurden wurden ist der Kompassnadel zu verdanken, die sich in Nord-Süd-Richtung  ausrichtet. Daher wurden in China und im arabischen Raum die Karten gesüded, in Europa genorded. In [[wiki:europa|Europa]] nutzte man die Kompassnadel etwa ab 1200. Zum Ende des [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 12. Jahrhundert|13. Jahrhunderts]] kombinierte man die bereits lange bekannte Windrose mit dem Kompass. Dadurch wurden die Segelanweisungen nicht mehr in Textform ([[wiki:periplus|Periplus]], Portolan) sondern als Portolankarte mit Richtungsnetzen gespeichert. Die Konvention Karten zu norden, setzte sich langsam bis zum [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 17. Jahrhundert|17. Jahrhundert]] durch.
  
-==== Orientierung Vermessung ==== +==== Orientieren Messen ==== 
-Die Notwendigkeit sich in der Natur orientieren zu müssen führte unter anderem + 
-  * über die Beobachtung der Natur zur Geographie +Die Notwendigkeit sich in der Natur orientieren zu müssen führte 
-  * über das Orientieren am Stand von Sonne, Mond und Sternen zur Astronomie; +  * über die Beobachtung des Raumes zur [[geographie_und_reisen|Geographie]]; 
-  * über das Messen von Punkten, Flächen, Längen und Richtungen zur Vermessung; +  * über das [[wiki:orientierung|Orientieren]] am Stand von Sonne, Mond und Sternen zur //Astronomie//
-  * über das systematische Speichern der erfassten Informationen zur [[wiki:kartographie|Kartographie]]+  * über das Messen von Punkten, Flächen, Längen und Richtungen zur [[wiki:Vermessung|Vermessung]]
-Ausgehend von [[wiki:stab#Der Stab als Werkzeug der Informationstechnik|Meßstab und Meßseil]] als ältesten technischen Hilfsmitteln des Vermessers bestimmte man +  * über das systematische Speichern der erfassten Informationen zur [[wiki:kartographie|Kartographie]]; 
-  * Himmelsrichtungen mittels //[[https://de.wikipedia.org/wiki/Indischer_Kreis|Indischem Kreis]]// > Kompass, +  * über das kulturbedingte Glaubenssystem zum [[wiki:weltbild|Weltbild]].
-  * Breitengraden mittels Schattenlänge ([[https://de.wikipedia.org/wiki/Gnomon|Gnomon]]) > [[https://de.wikipedia.org/wiki/Jakobsstab|Jakobsstab]] > [[ https://archive.org/details/voyagesandworks00wriggoog/page/n458|Davis-Quadrant]] > [[https://de.wikipedia.org/wiki/Quadrant_(Astronomie)|Quadrant]] > [[https://de.wikipedia.org/wiki/Sextant|Sextant]],  +
-  * rechte Winkeln mittels Messseil ((gr. stremma ' Seil' und Flächeneinheitsanskrit Çulva 'Seil' und Linie (Çulva sutra : Vorschriften zur Seilspannung > Vermessung); sumer. tim 'Seil' und Linie; ägypt. tm 'rechter Winkel':\\ ''Cantor, Moritz''\\ //Über die älteste indische Mathematik.//\\ Archiv der Mathematik und Physik. 3.8 (1905) 63-72.)), [[https://de.wikipedia.org/wiki/Zw%C3%B6lfknotenschnur|12-Knoten-Schnur]] > //[[https://doi.org/10.1007/978-3-322-90913-8_2|Ägyptisches Dreieck]]//, +
-  * Entfernungen mit dem [[https://www.didaktik.mathematik.uni-wuerzburg.de/history/pantometrum/funktionsweise.html|Pantometrum]] > [[wiki:hodometer|Hodometer]], +
-  * Tiefen mit dem Lot, +
-  * Zeit etwa mittels [[https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Zeitmessger%C3%A4te|Sonnenuhr oder Sanduhr]]. +
-  * → Ausstellungsliste [[wiki:ausstellungsliste_schiff_meer#Navigation|Schiff & Meer]] +
-Die dazu nötigen Fähigkeiten verbanden Landvermesser mit Kundschaftern und Geographen bei der Erkundung neuer [[wiki:landschaft|Landschaften]]. Die [[wiki:bematisten|Bematisten]] von ''Alexander dem Großen'' waren Kundschafter und [[wiki:bote|Boten]], Vermesser und Schreiber sowie hervorragende Läufer.\\ Die Technik der Landvermessung ([[https://de.wikipedia.org/wiki/Harpedonapten|Harpedonapten]] in Ägypten ) entstand mit Ackerbau und Sesshaftigkeit als es nötig wurde, fruchtbaren Boden zu verteilen. Vom Raum des fruchtbaren Halbmonds zwischen Persischem Golf bis zum nördlichen Ägypten erfordert Ackerbau meist künstliche Bewässerung. Die begrenzten Landflächen entlang der Flüsse zu verteilen erforderte Wissen und Technik und verhalf diesen damit zur Macht über andere. Fruchtbare Ackerflächen bedeuteten Nahrung und damit Leben. +
-  * Das Abmessen und Zuteilen unerschlossener Landflächen (tap-tû-ú, taptû `Neubruchland´) ((''Spar, Ira'', ''Eva von Dassow'', ''Wilfred G. Lambert''\\ //Cuneiform Texts in the Metropolitan Museum of Art: Private archive texts from the first millennium BC.//\\ Vol. 3. Metropolitan museum of art, 1988, S. 21.\\ ''Wunsch, Cornelia''\\ //Das Egibi-Archiv. I. Die Felder und Gärten.//\\ Cuneiform Monographs, 20. xxxii, 305 S. Groningen 2000: Sytx. )) war im Zweistromland bis etwa 1200 BC gleichbedeutend mit Macht und göttlichen Kräften; danach war das fruchtbare Land verteilt. Das Werkzeug des Feldmessers [[wiki:stab#Der Stab als Werkzeug der Informationstechnik|Stab und Seil]], kippatu und hattu - war Attribut der ältesten Stadtgötter (z.B. Bel-Marduk in Babylon) und zeigte damit die Macht des [[wiki:wissen|Wissens]]. +
-    * Möglicherweise von //taptû// abgeleitet ist der griechische Begriff τόπος [[wiki:liste_raumvorstellungen#Die Fläche: locus & topos|topos]] `Fläche´. Für einen solchen Zusammenhang sprechen abgeleitete griechische Begriffe wie //τοπάζω// `hinzielen´ und //τοπεῖον// `Tau, Seil´. +
-  * Die ägyptische Hieroglyphe //ankh// steht für die drei Konsonanten Ꜥ-n-ḫ ((mit Ꜥ als stimmhaftem pharyngalem Frikativ (k-ch), n wie das n im Deutschen und ḫ als stimmlosen oder stimmhaften velaren Frikativ, ein Laut zwischen g, r und ch )). Diese Buchstabenkombination erscheint in den Begriffen für Nahrung, lebensspendend, gesund ((''Allen, James P.''\\ //Middle Egyptian: An Introduction to the Language and Culture of Hieroglyphs//.\\ 2014 Cambridge University Press.)) sowie für einen aufgerollten Seilring (um 2050–1650 BC) ((''Gardiner, Alan''\\ //Life and Death (Egyptian).//\\ S. 20 in: Hastings, James (Hg.): The Encyclopedia of Religion and Ethics. Vol. VIII 1915.)) Die ältesten Darstellungen des ankh-Zeichens finden sich zwischen dem 30. und 29. Jahrhundert BC in der ersten Dynastie; es wird ebenso getragen wie im Zweistromland. +
-    * Möglicherweise von //ankh// abgeleitet ist das berberische //[[wiki:tasagalt|tasagalt]]//, das auch als Mittel zur Orientierung gedeutet wird.+
  
-  * ''Hoskin, M.'', ''Hochsieder, P.'', ''Knösel, D.''\\ //The Orientations of the Taulas of Menorca (2): The Remaining Taulas.//\\ Journal for the History of Astronomy, 21.15 (1990) S37–S48. [[https://doi.org/10.1177/002182869002101504|DOI]]  
-  * ''Minow, Helmut''\\ //Messwerkzeuge und Längenmasse im Alten Agypten.//\\ Vermessung, Photogrammetrie, Kulturtechnik VPK 99.4 (2001) 242–247. [[https://doi.org/10.5169/seals-235758|DOI]] 
-  * ''Paranina, Alina''\\ //Ancient Traditions of solar Navigation in the Mediterranean Region.//\\ S. 268–282 in: Recep Efe, Isa Cürebal (Hg.): Contemporary Studies in Sciences Cambridge. 459 S. Scholars Publishing 2020.\\ Messung von Himmelsrichtungen mittels T-Stab, Lochstab, Gnomon, T-Stelen (Göbekli Tepe),  Taula (Menorca), T-Steine (Sibirien), Thors Hammer; Die älteste Beschreibung einer Sonnenuhr mit einem T-Gerät findet sich auf einer Wand des Grabes von ''Seti'' I. (1306–1290 BC). 
-  * ''Paranina, Galina N.''\\ //Northern Labyrinths. Gnomons and models of geographical Space.//\\ Procedia - Social and Behavioral Sciences, 19 (2011) 593-601. [[https://doi.org/10.1016/j.sbspro.2011.05.174.|DOI]] [[https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1877042811012894|Online]] 
-  * ''Konrad Peters''\\ //Im Lot und in der Waage. Nivelliergeräte des Altertums im Spiegel experimenteller Archäologie.// (=Förderkreis Vermessungstechnisches Museum, 20) 30 S. Ill. Dortmund 1994 [[https://d-nb.info/997990767/04 |Inhalt]] [[https://www.vermessungsgeschichte.de/fileadmin/user_upload/20_Lot-Waage.pdf|Online]]  
-  * ''С.К Стафеев'', ''М.Г. Томилин'' et al.\\ //Пять Тысячелетий Оптики : Предыстория. [Pjatʹ tysjačeletij optiki: predystorija]//\\ 303 S. Sankt-Peterburg 2006: Политехника [Politechnika]. [[https://swbplus.bsz-bw.de/cgi-bin/result_katan.pl?item=bsz283917369inh.htm|Inhalt]] 
  
-  * ''Stocks, Denys A.''\\ //Experiments in Egyptian Archaeology : Stoneworking Technology in Ancient Egypt.//\\ XXX, 282 S. London 2023: Routledge.\\ Der Autor untersuchte mehr als 20 Jahre altägyptische Werkzeuge, baute sie nach, testete und bewertete sie. 
 ==== Literatur ==== ==== Literatur ====
  
 === Natürliche Orientierung der Tiere === === Natürliche Orientierung der Tiere ===
 +
   * ''Altmann, Geza''\\ //Die Orientierung der [[wiki:tiere|Tiere]] im [[wiki:liste_raumvorstellungen|Raum]].//\\ Wittenberg Lutherstadt 1975: A. Ziemsen.   * ''Altmann, Geza''\\ //Die Orientierung der [[wiki:tiere|Tiere]] im [[wiki:liste_raumvorstellungen|Raum]].//\\ Wittenberg Lutherstadt 1975: A. Ziemsen.
   * ''Martin Lindauer''\\ //Orientierung der [[wiki:tiere|Tiere]] im Raum://\\ 1. Internationales Symposium der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz vom 27. bis 29. 4. 1972. Stuttgart 1973: Gustav Fischer.   * ''Martin Lindauer''\\ //Orientierung der [[wiki:tiere|Tiere]] im Raum://\\ 1. Internationales Symposium der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz vom 27. bis 29. 4. 1972. Stuttgart 1973: Gustav Fischer.
  
 === Natürliche Orientierung der Menschen === === Natürliche Orientierung der Menschen ===
 +
   * ''Michael Bond''\\ //[[wiki:wegfindung|Wayfinding]]: The art and science of how we find and [[wiki:verirren|lose our way]]//\\ Picador, London 2020.   * ''Michael Bond''\\ //[[wiki:wegfindung|Wayfinding]]: The art and science of how we find and [[wiki:verirren|lose our way]]//\\ Picador, London 2020.
   * ''Crowley, Tony''\\ //The [[wiki:low_tech|lo-tech]] navigator.//\\ 147 S., Woodbridge 2004: Seafarer.   * ''Crowley, Tony''\\ //The [[wiki:low_tech|lo-tech]] navigator.//\\ 147 S., Woodbridge 2004: Seafarer.
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   * ''Schimmang, Jochen''\\ //Himmelsrichtungen//\\ Merkur März 47.528 (1993) 260-267   * ''Schimmang, Jochen''\\ //Himmelsrichtungen//\\ Merkur März 47.528 (1993) 260-267
   * ''Wehrle, Hugo''\\ //Die deutschen Namen der Himmelsrichtungen und Winde.//\\ Diss. Freiburg i.B. 75 S. Strassburg, 1905.   * ''Wehrle, Hugo''\\ //Die deutschen Namen der Himmelsrichtungen und Winde.//\\ Diss. Freiburg i.B. 75 S. Strassburg, 1905.
 +  * ''Robin, Ch. J.''\\ //À propos de Ymnt et Ymn: “nord” et “sud”, “droite” et “gauche”, dans les inscriptions de l’Arabie antique.//\\ S. 39–106 in F. Briquel-Chatonnet, C. Fauveaud, & I. Gajda (Hg.): Entre Carthage et l’Arabie heureuse. Paris 2013: Association des Amis du Centre d’Histoire et Civilisation de Byzance. 
  
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 * [[wiki:Brötchentütennavigation|Brötchentütennavigation]]\\  * [[wiki:Brötchentütennavigation|Brötchentütennavigation]]\\ 
 * [[wiki:gps|GPS]] * [[wiki:gps|GPS]]
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wiki/orientierung.1737611152.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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