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Gesellenwanderung

Die Gesellenwanderung (Walz) lässt sich zuerst im deutschsprachigen Raum nachweisen, dort ab den 1370er Jahren. Großräumige Strukturen reichten von Riga, Reval und Bergen im Norden bis nach Venedig, Florenz und Rom im Süden. Außerhalb dieses Raumes erscheint die Gesellenwanderung im 15. Jahrhundert als «tour de France» zunächst in den Städten zwischen Brüssel, Lille, Lyon, Saint-Omer und Paris, dann bis nach Böhmen.

Davon unterschieden, jedoch mit Überschneidungen, weisen die Gewerke des Fahrenden Volkes spezialisierte Tätigkeiten auf, die aus unterschiedlichen Gründen nicht ortsfest ausgeübt wurden. Ebenfalls unterschieden mit Überschneidungen lassen sich Wanderhandwerker und mobile Waldberufe erkennen. Wanderungsdruck entsteht durch

  • gesättigte Märkte,
  • versiegende Rohstoffe,
  • Jahreszeiten
  • Verfolgungsdruck.

Die Wanderung der Gesellen (engl. journeymen, ital. garzoni, franz. compagnon) setzt dagegen ein ehrbares Handwerk voraus, also ortsfeste Meister und deren ständische Organisationen mit ihren Normen, also über städtische Strukturen hinaus ein länderüberschreitendes Netz mit vergleichbarem Grundverständnis, siehe Schola migrationis: Wandernde Gesellen & Handwerker. Wandernde Handwerksburschen mag es immer gegeben haben, wandernde Handwerksgesellen aber hatten sich mehrere Jahre unterwegs zu bewähren, bevor sie Meister werden konnten. Dabei erfolgte ein Austausch von kulturellen Vorstellungen und von technischem Know-How einerseits, aber auch ein Auslesevorgang auf der Straße anderseits.

Literatur

Quellen

  • Christian Wilhelm Bechstedt
    Meine Handwerksburschenzeit 1805-1810
    Aufbau. Berlin. 1991.430p. kl. 8°. Obrosch
  • Moritz Blankenhorn
    Kunden-König. Eine buchdruckerliche Handwerksburschen- und Gesellengeschichte
    168p Textill. v. Georg Kretzschmar Leipzig Bildungsverband dt. Buchdrucker 1921
  • 1838 Schwerdt, H.
    Des Wagnergesellen E.Ch. Döbel Wanderungen durch einen Theil von Europa, Asien und Afrika in den Jahren 1830 bis 1836,
    bearbeitet von H. Schwerdt. 2 Tle. Eisenach 1838. 391; 590 S. lithogr. Porträt-Frontisp., 15 lithogr. Tafeln, davon 6 gefalt. Beschreibung der Reise über Wien, Ungarn, Konstantinopel, Jerusalem, Kairo … mit detillierten Hinweisen zu Übernachtungen, Kleidung, Umgangsformen, Ernährung
  • Erica Tietze-Conrat
    Des Bildhauergesellen Franz Ferdinand Ertinger Reisebeschreibung durch Österreich und Deutschland.
    Nach der Handschrift CGM. 3312 der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek München (= Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunst. Technik des Mittelalters und der Neuzeit. N.F., 14). XXV, 90 S. Wien/Leipzig 1907: Graeser Teubner.
  • Lothar Hans Flatau
    Unter Rheinlands Sonne. Gedichte eines fahrenden Gesellen
    168 S. Düsseldorf J. Liethen 1930
  • 1836 Franz Freiherr von Gaudy
    Aus dem Tagebuch eines wandernden Schneidergesellen
    Berlin 1836: R. Bein. 139 S. kl. 8°. OHLn. Online
  • 1902 Gustav von der Hellen
    Aus meiner Wanderzeit 1902-1906 und 1908-1909
    371 S. Frontispiz m. aufgeklebtem Foto d. Verf., 1 Faltkte., Ortsverzeichnis, Personenverzeichnis, Verz. d. Dampfer u. d. Deutschtums im Ausland Hamburg 1966 : Gesellsch. d. Bücherfreunde.
    Nach seiner kaufmännischen Ausbildung ging v.d.H. auf Wanderschaft durch Amerika, Asien, Europa und schildert in diesem späten Werk seine Erlebnisse anhand alter Aufzeichnungen.
  • 1936 Georg Maria Hofmann (Hg.)
    Biedermeier auf Walze. Aufzeichnungen und Briefe des Handwerksburschen Johann Eberhard Dewald.
    Berlin: Schlieffen 1936. 205p. 8°. OLn Textzeichn.
  • 1845 Anonymus [=Klinger?]
    Schicksale und Reisen eines Oberlausitzers zu Wasser und zu Lande.
    Von ihm selbst beschrieben. Zittau 1845: gedruckt bei Johann Gottfried Seyfert. 256 S. 8 lithogr. Taf., davon 2 kolor. Online
    Ehrlicher und abrechnende Darstellung über Herkunft, Erziehung, Lehrjahre und insbesondere das »steife Zunftwesen … mit all seinen Absurditäten und Mißbräuchen«. Dabei wird die erste Wanderschaft geschildert, Reisen nach Warschau, Breslau und Berlin, nach Dänemark, Holland, die Schweiz … Nach zehn Monaten in Gefangenschaft wandert er nach Amerika aus und bleibt fünf in Nordamerika, bevor er zurückkehrt. In der Verlagsanzeige wird auf ein entsprechendes Werk hingewiesen, das 32 Briefe umfassen soll. Vermutlich identisch mit nachfolgendem:
  • 1842 Klinger (J. T.)
    Meine Auswanderung nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika.
    Reisen und Ansiedelung daselbst, mit besonderer Rücksicht auf den Zustand der dort lebenden Deutschen, nebst Anweisungen und Belehrungen für Solche, welche dahin ausauszuwandern gedenken, in einer Reihe von Briefen.
    Zittau 1842: gedruckt bei Joh. Gottfr. Seyfert. 7 lithogr. Abbldgn. 240 S.
  • 1851 Henning, E.
    Erlebnisse des Buchdruckers P. Petersen während seines 10jährigen Aufenthalts in Afrika.
    Kiel 1851: Schulbuchdruckerei. 168 S.
    Petersen aus Apenrade ging in portugiesischen Diensten als Soldat nach Afrika.
  • Donatus Pfannmüller
    Eine Walz zum Balkan
    Fredebeul u. Koenen. Essen. 2. A. o.J. 316p. 8°. Zeichn. i. Text.
  • Hans Schiemann
    Mit Schlapphut, Stenz und Ehrbarkeit
    Rheinischer Merkur 23.11.1985
  • August Winnig
    Das Buch Wanderschaft
    Hanseatische Verlagsanst. Hamburg. 1941. 329 p. 8°. OHLn. 10 Textzeichn.
  • Alois Zettler GmbH (Hg.)
    Alois Zettlers Lehr- und Wanderjahre
    C. Meißner. München. o.J. (ca. 1972) 123p. 8°. OPppbd. Textzeichn.

Sekundärliteratur

Verweise

wiki/gesellenwanderung.1774147100.txt.gz · Zuletzt geändert: von Norbert Lüdtke

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