wiki:fremdem_begegnen
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| Das Hier und Jetzt – der Augenblick, der verweilen soll – kämpft mit dem Dort und Demnächst – dem zerstreuenden Unverweilen – das die Neugier auszeichnet. Im »sich ausrichtenden Entdecken von Gegend« erschließt sich das Dasein den Raum (('' | Das Hier und Jetzt – der Augenblick, der verweilen soll – kämpft mit dem Dort und Demnächst – dem zerstreuenden Unverweilen – das die Neugier auszeichnet. Im »sich ausrichtenden Entdecken von Gegend« erschließt sich das Dasein den Raum (('' | ||
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| - | Wer fähig ist zu staunen, die [[wiki: | + | Wer fähig ist zu staunen, die [[wiki: |
| ==== Der Genuss erfüllter Gegenwart ==== | ==== Der Genuss erfüllter Gegenwart ==== | ||
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| ==== Das persönlich Fremde ==== | ==== Das persönlich Fremde ==== | ||
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| + | Fremd bin ich eingezogen, | ||
| + | Fremd zieh ich wieder aus ... | ||
| + | Wilhelm Müller, 1794-1824: Gute Nacht (Winterreise) | ||
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| Man geht freilich nicht in die Fremde, um sich der Heimat zu entfremden, aber einen vernünftigen Sinn hat das Reisen doch nur insofern, als es von der [[wiki: | Man geht freilich nicht in die Fremde, um sich der Heimat zu entfremden, aber einen vernünftigen Sinn hat das Reisen doch nur insofern, als es von der [[wiki: | ||
| Manche meinen, das Fremde stünde im Gegensatz zum Eigenen. Dann müßte alles, was anders ist als man selbst, fremd sein. Ein Gedanke, der Globetrottern fremd erscheinen muß. Schließlich neigen Reisende dazu, alles aufzusuchen, | Manche meinen, das Fremde stünde im Gegensatz zum Eigenen. Dann müßte alles, was anders ist als man selbst, fremd sein. Ein Gedanke, der Globetrottern fremd erscheinen muß. Schließlich neigen Reisende dazu, alles aufzusuchen, | ||
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| Was man nicht versteht, kommt von weit her, etwa aus der Walachei ((Walachen bezeichnet romanischsprachige Volksgruppen in Südosteuropa. Die Bezeichnung kommt wohl aus dem Germanischen, | Was man nicht versteht, kommt von weit her, etwa aus der Walachei ((Walachen bezeichnet romanischsprachige Volksgruppen in Südosteuropa. Die Bezeichnung kommt wohl aus dem Germanischen, | ||
| Ein //Barbar// war im antiken Griechenland jemand, der kaum Griechisch sprach. Das Wort fand Eingang in fast alle europäischen Sprachen. Dabei ist es so alt, daß es sich auch im Sanskrit findet (barbarāh), | Ein //Barbar// war im antiken Griechenland jemand, der kaum Griechisch sprach. Das Wort fand Eingang in fast alle europäischen Sprachen. Dabei ist es so alt, daß es sich auch im Sanskrit findet (barbarāh), | ||
| - | Die Anderen ((Die Deutschen im Tschechischen, | + | Die Anderen ((Die Deutschen im Tschechischen, |
| ==== Der Fremde als Feind ==== | ==== Der Fremde als Feind ==== | ||
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| Das kann Banales sein oder Besonderes: Wie man sich ohne Autan vor Mücken schützt, ein umwerfendes Pilaw-Rezept, | Das kann Banales sein oder Besonderes: Wie man sich ohne Autan vor Mücken schützt, ein umwerfendes Pilaw-Rezept, | ||
| - | Der Austausch des Neuen und die Bewährung in der Fremde sind Werte, die bereits im [[wiki:reisegenerationen#Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche| Mittelalter]] systematisch gefördert wurden. Über viele [[wiki:reisegenerationen|Jahrhunderte]] hinweg schickten die Handwerkszünfte ihren Nachwuchs nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit (Freisprechung) in die Ferne. Drei Jahre und einen Tag hatte der Geselle seiner Heimat fernzubleiben und war dann ein Fremdgeschriebener. Ohne Wanderjahre konnte er niemals Meister werden, die Erfahrung der Welt war Voraussetzung für sozialen Erfolg. Doch Meisterschaft erringen immer nur wenige. Weitaus die meisten scheuen den Aufbruch und von denen, die gehen, kehren manche nie zurück.\\ | + | Der Austausch des Neuen und die Bewährung in der Fremde sind Werte, die bereits im [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Der Blick zurück: Das Mittelalter als Epoche| Mittelalter]] systematisch gefördert wurden. Über viele [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen|Jahrhunderte]] hinweg schickten die Handwerkszünfte ihren Nachwuchs nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit (Freisprechung) in die Ferne. Drei Jahre und einen Tag hatte der Geselle seiner Heimat fernzubleiben und war dann ein Fremdgeschriebener. Ohne Wanderjahre konnte er niemals Meister werden, die Erfahrung der Welt war Voraussetzung für sozialen Erfolg. Doch Meisterschaft erringen immer nur wenige. Weitaus die meisten scheuen den Aufbruch und von denen, die gehen, kehren manche nie zurück.\\ |
| Die Persönlichkeit kann in der Fremde wachsen, doch erschwert ein zu hohes Maß an Eigenheiten eine Integration in der Heimat. Dann kann die Andersartigkeit zur Entwurzelung führen. Das Reisen zeigt seine Schattenseite, | Die Persönlichkeit kann in der Fremde wachsen, doch erschwert ein zu hohes Maß an Eigenheiten eine Integration in der Heimat. Dann kann die Andersartigkeit zur Entwurzelung führen. Das Reisen zeigt seine Schattenseite, | ||
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