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Was ist eigentlich ein »Fernreisemobil«?

Reisewagen und Wohnauto: mobil fern reisen

von Norbert Lüdtke

Globetrotter bezeichnen damit einen fahrbaren Untersatz, der nicht nur mobil macht, sondern auch selbstbestimmtes Reisen ermöglicht. Ein Fernreisemobil macht es möglich, um Hotels und Restaurants einen großen Bogen zu machen, also touristische Strukturen und damit überlaufene Regionen zu meiden. Dennoch bleiben die Grundbedürfnisse gesichert: Schutz vor dem Wetter, Schlaf, Essen, Trinken und vor allem der Rückzug ins Schneckenhaus.

Fernreisemobil läßt sich kaum ins Englische, Französische oder Niederländische übersetzen. Dort landet man beim schlichten mobile home. Doch ist das mobile home in den USA oft ein mobiles Haus für einen Lebensabschnitt, in dem die Familie in trailer parks lebt. Tatsächlich wurzeln die Ursprünge im mobilen Wohnen, am Wohnwagen erkannten die Menschen seit Jahrhunderten das Fahrende Volk. Das jedoch war sozial eher im Abseits, ob nun Zirkusleute oder irische traveller.

Davon wollte man sich absetzen, also mußten neue Begriffe her: Globetrotter, Camping und Caravan waren im englischen Sprachraum bereits verbreitet, bevor sie in Deutschland attraktiv wurden. Der Faltbootbauer Hans Berger produzierte 1935 den Zeltanhänger Hausdabei. Aus einem Anhänger konnte ein Zelt aufgeklappt werden. 1937 entwickelte Berger das Modell Karawane, einen Wohnwagen – der Form wegen als Wanderniere verrufen. Richtig populär wurden Camping und Caravan erst nach 1950.

Den Begriff Caravan entlehnten die Engländer aus dem arabisch-persischen Sprachraum. Geschäftsleute bildeten eine Karawane zum Schutz und der war auf der Seidenstraße bitter nötig (pers. Kervan, der Schutz eines Geschäftes). Heute schützen Caravans eher vor fremden Blicken.

Wer sich aber Mobilität ohne ein rollendes Wohnzimmer gar nicht vorstellen kann, landet beim Reisemobil oder Wohnmobil. Es bietet beim Reisen in dicht besiedelten Regionen ein Höchstmaß an Privatheit, Intimität oder gar ein Heim bei monate- oder jahrelangen Reisen.

The dogs bark, but the caravan passes. – Das in vielen Ländern verbreitete Sprichwort transportiert eine weitere Eigenschaft von Karawanen: behäbig und unaufhaltsam zieht sie ihres Weges, unbeeindruckt vom Geschehen am Straßenrand. Das hat sie mit dem Stau gemeinsam, Karawanen von Caravans ziehen nicht nur im Sommer von der Nordsee bis zum Mittelmeer. Das ist Caravaning.

Manche Menschen mögen die »Weiße Flotte« nicht, deren Baustil gilt als »Tupperware«. Das Bedürfnis nach Individualität, das Interesse am Straßenrand und Neugier, was wohl abseits des Weges zu entdecken sein mag, kennzeichnet die Globetrotter und ihre Fernreisemobile, einzigartige mobile Behausungen. Nicht zufällig haben viele Fernreisemobile Namen, sie sind Teil der Persönlichkeit; häufige Kosenamen sind Buschtaxi (für den Toyota Landcruiser), Landy (Landrover), Rundhauber (Magirus der 50er Jahre) oder Landjacht.

Trefflich spekulieren kann man darüber, weshalb die Wohnmobilbesitzer in den USA grey nomads genannt und in Frankreich néo aventurier oder nono, nouveau-nomade.

Den Staat interessieren die feinen Unterschiede nicht. Im Kraftfahrzeugsteuergesetz vom Dezember 2006 wird die Wohnmobilsteuer geregelt und der Begriff erstmals gesetzlich definiert. Ein Kraftfahrzeug ist dann ein Wohnmobil, wenn es eindeutig zu Wohnzwecken dienen kann. Verkehrsrechtlich anerkannt wird es, wenn es mindestens enthält: Sitzgelegenheit mit Tisch; Schlafplätze, Küche mit Spüle und Kochstelle sowie Stauraum. Die Einrichtungen müssen mit Ausnahme des Tisches fest eingebaut sein. Der Wohnteil muss muss eine Stehhöhe von mindestens 170 cm aufweisen, einen Mindestlebensraum bieten und den überwiegenden Teil des Fahrzeugs einnehmen. Was dabei technisch zugelassen ist, entscheidet der TÜV.

Die Fahrzeugbasis ist in der Regel ein Kleintransporter, in der ursprünglichsten Form als Kastenwagen, mit teilintegriertem Fahrraum als Van, mit oder ohne Hubdach, oder raumoptimiert mit Alkoven über dem Führerhaus (»Nasenbär«). Wohnraum und Fahrraum können getrennt sein.

Nun kann ein Wohnmobil nicht nur als Freizeitfahrzeug, sondern auch von Geschäftsreisenden als mobiles Büro oder von Montagearbeitern und Schaustellern zum Übernachten genutzt werden. Das es nicht als Büromobil oder Schlafmobil, sondern als Reisemobil genutzt wird, zeigen nicht nur die Aufkleber an der Heckklappe sondenr eben die individuelle Gestaltung.

Interessant wird es, wenn es eben kein Kleintransporter ist. Dann sieht man den zum Wohnen ausgebauten Kleinwagen, etwa eine »Ente«, ausgebaute Zirkusanhänger, Wohnbusse oder das Expeditionsmobil auf einer Lkw-Basis. Hunderte unterschiedlicher Ausbauten sind beim Fernreisemobiltreffen zu bestaunen.

Die Eigentümer dieser mobilen Behausungen sind nur dadurch vereint, dass sie ein gewisses technisches Geschick mitbringen müssen. Wer das nicht selbst kann, muss meist erheblich investieren.

Irgendwo in diesem Spektrum sind die zum Reisen benutzten Geländewagen einzuordnen. Das sind sozusagen die Outdoorer unter den Mobilhomern. Während der »normale Outdoorer« minimalistisch mit Zelt und Rucksack versucht abseits der Wege klarzukommen, will der motorisierte Globetrotter seine Bedürfnisse nicht so weit zurückschrauben. In unbesiedelten Regionen wiederum erweitert es als Expeditionsmobil die Reisemöglichkeiten enorm. Damit lassen sich Gebiete erschließen, die dem Backpacker verschlossen bleiben. Mit den Anforderungen an Reichweite und Autonomie wächst die Gewichtsklasse sehr schnell über 7,5 Tonnen.

Preiswerte Ausgangsbasis sind ausgemusterte Lkw, oft gut erhaltene und stabile Einsatzfahrzeuge von Deutscher Bahn, Feuerwehr, THW, DRK, Bundeswehr, NVA …, jedoch auch ehemalige Möbel- oder Kühlfahrzeuge mit enormer Wohnhöhe.

Ausgemusterte Omnibusse bieten mehr Wohn- und weniger Reisecharakter. Die Geländegängigkeit ist eingeschränkt, dafür ist die Luftfederung luxuriös. Die großen Glasflächen fördern das Sightseeing, jedoch auf Kosten von Hitze- und Kälteproblemen. Gefangenen-, Bücher- oder Röntgenbusse bieten durch die kleinen hochgelegenen Fenster wiederum mehr Intimität und werden zum Wohnbus.

Die höchste Mobilität bieten kleine Reisemobile auf der Basis von Transportern. Sie entfalten ihre Vorteile in kleinen Dörfern und bleiben in Altstädten und Einkaufszonen als Lieferwagen unauffällig, auch wenn sie dort über Nacht stehen.

Schließlich finden wir am anderen Ende des Spektrums die »Bauwagenszene«. Das Reisen tritt in den Hintergrund, stattdessen wird ein mobiles Wohnen und Leben gepflegt, das über eine minimalistische Philosophie mit dem Reisen und Leben der Globetrotter verwandt ist.

© Norbert Lüdtke, Mai 2009

 

Was sind eigentlich »Historische Fahrzeuge«?

Man erkennt sie am H am Ende des Kfz-Kennzeichens. Das Fahrzeug muss mindestens dreißig Jahre alt sein. Alle Fahrzeuge, die vor dem 1. Juli 1969 gebaut bzw. erstzugelassen wurden, sind auch von der Abgasuntersuchung befreit. Auch die Versicherungskosten sind oftmals niedriger, soweit das Angemeldetsein eines weiteren „normalen“ Alltags-Fahrzeugs darauf hindeutet, dass der Oldie nur zum Vergnügen unterhalten wird. Das H-Kennzeichen wird erst nach einer technischen Untersuchung zugeteilt, in der der originale bzw. zeitgenössische und gut erhaltene Zustand des Fahrzeugs bestätigt wird. Bei veränderten Fahrzeugen (Leistungssteigerung, Fahrwerksumbauten) oder bei durch alltägliche Verwendung abgenutzten Altfahrzeugen verweigern die technischen Prüfer oftmals den H-Status. Der Vorteil dieses Status liegt in einer pauschalen Kfz-Steuer (191,73 Euro im Jahr).

Wording

Englisches Glossar

In German a recreational vehicle is called Wohnmobil or Wohnwagen (trailer type). Wohnen means live or reside. A Fernreisemobil is more individual and specialised for long-term travelling.

4x4, cab-over, camper trailers, camper, van, motorhome, campervan, caravan,  trailer parks, fifth wheel trailers, Folding trailer, Hybrid trailer, Luton, mobile homes, pickup truck, pop-up camper, pop-up trailers, recreational vehicle RV,  sport utility vehicle (SUV, Teardrop Trailer, tent camper, Toterhome, Toy hauler , tractor-trailers, travel home, travel trailer, truck camper 

Französisches Glossar

autocaravane, campeur, camping-car, caravane, caravane à capucine EMSI "Formule Z", Caravane de type clip car ou Randocar, Caravane pliante en toile, Caravane rigide à deux essieux ou plus, Caravane rigide surbaissée à un essieu, Caravane surbaissée, Le clip car, mobilhome, motorhome, motorisé, Randocar, Résidence mobile de loisir (Mobile home), véhicule récréatif, Winnebago 

Niederländisches Glossar

Camper, Caravan, Full-Integraal, kampeerauto, Klapcaravan, mobilhome, motorhome, Vouwwagen, Vouwcaravan, wagentent, Woonwagen, zwerfwagen

Internationales Glossar

Česky: Karavan, Dansk, Norsk: Campingvogn, Español: Caravana, Esperanto: Ruldomo, Lietuvių: Namelis-autopriekaba, Nedersaksisch: Sleurhutte, Српски / Srpski: Камп-приколица, Suomi: Asuntovaunu, Svenska: Husvagn

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